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Schwalbennester und Cockpits

Fahrerhausentwicklung bei MAN

Die MAN Lkw der Pionierzeit und die modernen Trucks haben optisch und technisch wenig gemeinsam.

Das zeigt auch die Geschichte der Fahrerhausentwicklung, die bei MAN mit dem einfachen Führerhaus aus Holz begann und uns zu den hochtechnisierten Cockpits von heute führt.

Die ersten Fahrerhäuser der MAN Lkw lassen sich gut mit einem Begriff beschreiben: spartanisch. Den Pferdekutschen nachempfunden, war das Führerhaus, wie es damals noch hieß, standardmäßig in der sogenannten „Torpedoform“ gebaut. Ausgestattet mit Holzdach, Sitzkissen mit Lederüberzug und Rücklehne für drei Personen. Seitdem hat sich viel getan.

Mitte der 30er Jahre ging es weiter

Bereits ab Mitte der 1930er Jahre entwickelte sich das Fahrerhaus weiter. Es war nun komplett geschlossen und mit Sitzen mit Rückenlehne und echter Lederpolsterung versehen. Neu war die Ausstattung mit Kurbelfenstern und einer leicht ausstellbaren Windschutzscheibe sowie einer vollelektrischen Licht- und Anlasseranlage mit zwei Batterien und einem elektrischen Signalhorn. Ein Winker mit Blendschutz – der Vorläufer des Blinkers – ein elektrischer Scheibenwischer sowie zwei große Scheinwerfer mit Abblendvorrichtung und Standlichter verliehen dem Lkw weitere neue Funktionen. Auch die Armaturentafel bekam eine Beleuchtung. Außerdem gab es einen Tachometer mit Kilometerzähler, einen sogenannten „Rückblickspiegel“, einen verchromten Kühler und ein Kühlwasserthermometer.

Von da an wuchsen die Fahrzeuge stetig in Länge, Breite und Höhe und auch die Fahrerkabinen wurden um immer mehr Funktionen erweitert.

Standard auf Automobilniveau

Mit dem F8 erschien 1951 schließlich ein neues Flaggschiff von MAN auf den Markt. Und mit ihm viele Funktionen, die auf den Arbeitsalltag der Fahrer abgestimmt waren: die Fahrerkabine war größer, Drehfenster sorgten für eine bessere Belüftung, der Fahrersitz konnte in Höhe und Länge verstellt werden. Es gab Wärme- und Lärmisolierung sowie Eckfenster nach hinten. In Haptik, Material und Anordnung der Instrumente entsprach die Lkw-Kabine zum ersten Mal dem Standard der Pkw. Außerdem wuchs das neue Fahrerhaus auf 2,26 m Breite, 1,58 m Höhe und 1,37 m Tiefe.

Übrigens: Ab dem 1. September 1953 wurde der Fahrtschreiber gesetzliche Vorschrift.

Vom Schwalbennest zum Wohnraum

Für einige Fernverkehrsmodelle gab es in den 1950er Jahren einen Klapptisch zum Essen und eine kleine Schlafkabine, genannt Schwalbennest. Der Name rührte daher, dass die Platzierung der kleinen Schlafnische an die Anbringung eines Schwalbennestes an eine Hauswand erinnerte. Als Alternative dazu gab es das Großraumfahrerhaus mit umlegbaren Sitzpolstern zum Schlafen.

Ab den 1960er Jahren erschienen die Hauber und die ersten Frontlenker-Modelle mit dem Großraumfahrerhaus mit festen Liegen hinten und dreifach verstellbarem Fahrersitz. Ein Rohrgestell mit Blechboden anstelle eines Holzkastens unter der Liege sorgte für eine merkliche Verbesserung des Schlafkomforts. Mit der serienmäßigen Heizung wurde schnelles Entfrosten der Scheiben im Winter möglich.

Ende der 1960er Jahre löste das neue F7-Fahrerhaus die Kabine der legendären „Pausbacke“ ab und wurde immer mehr auch zum Wohnraum: So schrieb die Bild-Zeitung über die Fahrzeugvorstellung: „…Sessel, Bett und Schrank – so gemütlich wie zu Hause!…“ Mit ihm und dem Folgemodell F8 entwickelte MAN seine Fahrerhäuser konsequent weiter. Elektrische Fensterheber, ein Essensbehälter mit Kühlbox, ein höhenverstellbares Lenkrad, textile Seiten- und Rückwandverklei-dungen, ein Kleiderschrank mit Schiebetüren.

Die Fahrerhäuser des  F7 und des F8 blieben abgesehen kleiner Veränderungen bis 1986 bestehen bis sie von der nächsten Fahrerhausgeneration des F90 abgelöst wurden. Mit ihm kam ein komplett neuer Lkw auf den Markt. Sein Markenzeichen: das neue Fahrerhaus. Großzügiger, funktionaler, komfortabler und ergonomischer als seine Vorgänger gestaltet, verfolgte MAN damit ein Konzept, das Wohn- und Arbeitsraum in der Kabine miteinander verband. Zum ersten Mal wurden auch Kunststoffteile, beispielsweise als Stoßfänger, Frontklappe und Kotflügel in und am Lkw verbaut.

Neuerungen im Fahrzeuginneren 

Mit der Kabine des F2000 erfuhr das Innenraumkonzept weitere Neuerungen: Komfortsitze, praktische Ablageflächen, auf Wunsch Zierleisten in Holzveredelung und Ledersitze mit Lendenwirbelstütze. Eine besondere Neuheit aber stellte die Möglichkeit dar, die zu dieser Zeit innovativen Video- und TV-Anlagen in die Kabine zu integrieren.

Trucknology Generation Typ A – mit der Präsentation des TGA setzte MAN im Jahr 2000 neue Maßstäbe: Das Angebot umfasste fünf Fahrerhaus-Varianten in den Größen M bis XXL. Die Kabinen erfüllten die höchsten Anforderungen an Komfort, Ergonomie und Aerodynamik. Alle Varianten hatten einen bequemen, beleuchteten Einstieg, der trittsicher und ergonomisch über drei Stufen erreichbar war. Die Kabine bot beste Rundumsicht und war bis zu 65° kippbar. Herausstechende Besonderheit der TGA-Kabine war aber die Kombination aus hochwertigem Arbeitsplatz und Wohnraum: Die Bedienelemente im Cockpit waren intuitiv erfassbar und für den Fahrer funktional platziert. Ein intelligentes Ablage- und Stauraumkonzept  sowie eine leistungsstarke Klimaanalage gewährleisteten höchsten Komfort für den Fahrer – ergonomisch durchdacht und praxisnah.

Ergonomie, Komfort und Funktionalität in Perfektion lieferte MAN mit der Doppelbaureihe TGX und TGS, für die das Unternehmen 2007 die Auszeichnung „Truck of the Year“ erhielt. Mit der V-Optik der Frontpartie waren die Modelle als moderne Fahrzeuggeneration erkennbar. Die Fahrerhausform wurde aerodynamisch optimiert. Das Cockpit erfuhr noch einmal eine deutliche Aufwertung in Richtung Premium und näherte sich in Haptik und Funktionalität dem oberen Pkw-Segment weiter an. 2012 folgte die nächste Fahrzeugüberarbeitung der Baureihen TGL, TGM, TGS und TGX im Zuge der Euro 6-Einführung und ab 2014 mit dem Euro 6 c Standard ein Facelift.