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Die Parkplatzsituation bringt Trucker zur Verzweiflung

Leider ein Dauerbrenner mit, wenn überhaupt, nur mäßigen Aussichten auf Besserung – bei der Parkplatzsuche lassen täglich tausende Lkw-Fahrer Zeit, Geld und Nerven!

Spätestens nach viereinhalb Stunden Lenkzeit muss der Lkw geparkt sein und der Fahrer eine Ruhepause einlegen. Klingt in der Theorie einfach, bringt aber täglich unzählige Fernfahrer in ein Dilemma: Wohin mit dem Lkw, wenn längst alle Stellplätze voll sind? Vor allem abends und am Wochenende geht vielerorts nichts mehr. Laut der Vereinigung Deutscher Autohöfe e.V. (VEDA) fehlen bundesweit circa 31 000 solcher Lkw-Stellflächen. Wer weiterfährt riskiert ein Bußgeld, weil er die Lenkzeit überschreitet. Wer falsch parkt, weil es keine andere Möglichkeit gibt, kann dafür zur Kasse gebeten werden und stellt zudem ein Sicherheitsrisiko dar. Es kommt immer wieder zu Unfällen und gefährlichen Situationen, weil Lastwagen Autobahnparkplätze blockieren, auf Ein- und Abfahrten oder dem Standstreifen stehen.

Während die Polizei bei Falschparkern an Rastanlagen schon mal ein Auge zudrückt, gibt es auf Standstreifen sowie auf Ein- und Ausfahrten kein Pardon. Die Lkw-Fahrer erhalten in der Regel eine „verkehrserzieherische Aufklärung“ und müssen weiterfahren. Für Uneinsichtige werden bis zu 160 Euro fällig. Tatsächlich hat aber auch die Polizei Hemmungen, bei solchen Verstößen Strafen zu verhängen, denn wohin sollen die Fahrer ausweichen, wenn alle Parkplätze voll sind? 

Lösungsansatz: Praktischer „Hochstapler“

Vollgestellte Rastplätz an Autobahnen sind ein bundesweites Thema, das auch Leonid Kuhn als ehemaliger Lkw-Fahrer nur zu gut kennt, und deshalb mit seiner Bruchsaler Softwarefirma Abona an einer Lösung arbeitet. Der sogenannte „TruckTower“ soll eine Art Parkhaus sein, in dem Lkw übereinander untergebracht werden können. Dreimal so viele Lkw-Parkplätze bei gleichem Flächenverbrauch lautet die Rechnung der Bruchsaler Entwickler. Außerdem ist das innovative Konzept weitergedacht als die bereits laufenden Maßnahmen des Bundes, Land von Speditionen, Kommunen oder Privatpersonen anzumieten und als zusätzliche Stellflächen zu nutzen. Kuhn und sein Team möchten nicht nur die parkenden Lkw von der Straße schaffen: Auch die Sicherheit von Fahrern und Ware spielen eine Rolle. Im „TruckTower“ wären Trucks und Ladung sicher geparkt und es würde auch an das Wohlergehen der Fahrer gedacht. Neben dem innovativen Parkplatz, plant die Firma ein „Zentrum für Durchreisende“, mit kleinen Zimmern in Container-Hotels sowie Dusch- und Einkaufsmöglichkeiten und Sozialräumen für die Trucker.

Die patentierte Lösung soll so funktionieren, dass Fahrer sich für ihren Stellplatz vorab per App anmelden oder auch spontan einfahren können. Je nach Gewicht des Fahrzeugs wird festgelegt, auf welcher Ebene des Towers es unterkommt. Zur Abfahrtszeit soll es in jedem Fall ebenerdig zur Verfügung stehen. Die Konstellationen dafür berechnet eine Software. Die Lkw werden dann durch hydraulische Unterstützung energieeffizient und umweltschonend bewegt. Für die Umsetzung sucht das Unternehmen vor allem noch nach finanzieller Unterstützung. Dazu haben die Entwickler das Konzept bereits dem baden-württembergischen Verkehrsministerium vorgestellt und auch das Bundesverkehrsministerium kontaktiert.

Zurück zur Natur kann teuer werden

Unberechtigt parkende Lkw bringen noch ein weiteres Problem mit sich. Auf den nicht ausgewiesenen „Not-Parkplätzen“ stehen meistens keine Sanitären Anlagen zur Verfügung. Das verleitet Fahrer gezwungenermaßen dazu, ihre Notdurft in den Büschen oder auf angrenzenden Grünflächen zu verrichten. Auch das kann teuer werden: Das Outdoor-Pinkeln zählt zu den Ordnungswidrigkeiten und wird finanziell geahndet – wie hoch das Bußgeld ausfällt, ist von Stadt zu Stadt verschieden. Meistens handelt es sich aber um Beträge zwischen 50 und 80 Euro. Außerdem kann der Abstecher in die Botanik als Erregung öffentlichen Ärgernisses gelten, wenn sich Dritte davon gestört fühlen. Dann kann neben dem Bußgeld eine Klage drohen.

Konzepte, wie der „TruckTower“, könnten aktiv zur Entspannung des leidigen Themas Parkplatznot beitragen. Die Brisanz des Themas ist bekannt, ebenso der Handlungsbedarf. Bleibt zu hoffen, dass schnell Finanzierungsmöglichkeiten und Wege gefunden werden, den Fernfahreralltag ein Stück leichter zu machen.