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Trucklife

Trucker Michael fühlt sich mit seiner Ladung pudelwohl

Gefährliche Ladung – dazu zählen Benzin und Diesel allemal. Für Vollblutfahrer Michael Kayka ein Transportgut wie jedes andere. Jede Nacht sorgt er dafür, dass der Verkehr nicht zum Erliegen kommt.

Wenn Michael Kayka von seinem Job als Gefahrgutfahrer erzählt, klingt das, als wäre es die sicherste Sache der Welt. Das liegt zum einen an seiner ruhigen Stimme. Zum anderen aber an der Erfahrung und dem Verantwortungsbewusstsein, die aus jedem seiner Worte sprechen. Seit 2009 ist er Berufskraftfahrer. Seit zwei Jahren fährt er für die norddeutsche Firma Johannes Martens Tanktransporte mit Schwerpunkt Tankstelle. Dafür hat er in einer einwöchigen Intensiv-Schulung zum Thema Gefahrgut den sogenannten ADR-Schein gemacht. Diese Qualifikation müssen alle Fahrer vorlegen, die explosive Stoffe, radioaktive Güter sowie gasförmige oder flüssige Güter, die in einem Tankwagen gefahren werden, transportieren wollen. Und „es war die Voraussetzung, um den Job bei Johannes Martens zu bekommen“, erzählt Michael.

Nichts für schwache Nerven

Als Ladegut wie jedes andere, sieht er selbst die Kraftstoffe, die er transportiert. Natürlich werde er immer wieder von der Familie oder Freunde gefragt, ob er keine Angst hätte. „Ich behandle meine Ladung ordnungsgemäß und behutsam. Ich weiß es ist Gefahrgut, aber ich sage mir nicht die ganze Zeit ‘fahr bloß vorsichtig, sonst passiert etwas‘ – das würde mich nur nervös machen.“, erklärt Michael. Er ist mit seinem Tankzug fast ausschließlich nachts unterwegs. 

Natürlich hat es seine Zeit gebraucht, sich an den neuen, umgekehrten Rhythmus zu gewöhnen. Inzwischen ist er aber ganz in diesem Zeitkonzept angekommen. Nur am Wochenende, hat er manchmal damit zu kämpfen: „Tagsüber bin ich dann etwas müde, weil ich am Tag wach bin und in der Nacht schlafe.“ Da er als Fernfahrer im Einsatz ist, schläft er auf Tour in seinem Truck, einem MAN TGX 18.500. Die XLX-Kabine des Lkw ist für ihn Arbeitsplatz und Wohnzimmer gleichermaßen.

Perfekte Teamarbeit mit der Disposition

Während Michael tagsüber schläft, plant die Disposition seine Tour für den Abend. Darin enthalten sind die Mengenangaben und welche Produkte er laden soll. Außerdem legt der Fahrtenplan fest, welche Tankstellen er anfahren soll.

Der erste Weg in seinem Dienst führt Michael ins Tanklager. Dort gibt er bei der Anmeldung alles in den Computer ein was er braucht und bekommt eine Füllspur zugewiesen. Sobald alle Schläuche und Kabel richtig angeschlossen sind, beginnt die Befüllung der fünf Kammern seines Tankzugs automatisch. Der Zug wird dabei von vorne nach hinten beladen. Das hat den Sinn, dass würde es bei der Befüllung ein Problem geben und die Anlage stoppen, mehr Gewicht auf der Antriebsachse des Fahrzeugs liegt. „Wenn ich hinten anfangen würde und vorne wäre die Kammer leer, dann hätte ich das Problem, dass die Antriebsachse ausgehebelt wird und ich keine Traktion mehr auf der Straße habe, und nicht mehr weiterkomme.“, erklärt Michael. Er weiß genau, wie sein Zug bei welchem Füllstand reagiert und wie er zu fahren ist. Außerdem muss er darauf achten, dass die Kammern nicht überfüllt werden und er nur eine maximale Literanzahl in den Computer der Füllanlage eingeben darf. „Wenn ich eine Kammer überfülle, kommt das Produkt an den Grenzwertgeber, dieser gibt ein Signal an die Verladeanlage und stoppt sie automatisch.“

Er selbst würde dann durch einen lauten Knall auf die Überfüllung aufmerksam gemacht, das Bodenventil würde sich schließen und kein Produkt mehr nachkommen. „Ich müsste dann abbauen, wegfahren und erst abladen, bevor ich die Kammer neu befüllen könnte“, erklärt Michael. Sauberkeit ist das A und O: Nach dem Be- und Entladen muss Michael darauf achten, dass sich keine Produktrückstände im Armaturenschrank befinden. Erst nach dieser Kontrolle kann er die Fahrt fortsetzen. 

Als größte Herausforderung seiner Arbeit sieht er, die Tankstellen immer pünktlich zu beliefern und Leerläufe zu verhindern. Für den Endverbraucher eine Selbstverständlichkeit, dass er bei seinem Stopp an der Tankstelle sein Fahrzeug mit Benzin oder Diesel auftanken kann. Fahrer wie Michael sorgen dafür, dass es läuft. Er und seine Kollegen beliefern dafür Tankstellen rund um die Uhr. Und wenn eine Tankstelle doch mal leergelaufen ist? „Das kommt schon mal vor“, sagt Michael „aber diese Tankstellen werden dann von unseren Disponenten bevorzugt behandelt und schneller beliefert.“

Betankt wird digital und analog 

Die Schnittstelle zwischen den Tankstellen und der Disposition läuft in vielen Fällen digitalisiert: „An vielen Zieltankstellen kann unsere Disposition per elektronischer Peilung die Füllstände abrufen“, erklärt Michael. Es gibt aber auch noch die ältere Variante, bei der der Fahrer die Füllung des Tanks selbst mit einem Peil-Stab peilt und den Stand notiert. Wenn er von seiner Tour zurückkommt, erfolgt die Rückerfassung, bei der der Disponent alle Angaben in das System eingibt. Er weiß dann ungefähr, welchen Füllstand die Tankstelle aktuell hat und kann anhand eines Algorithmus berechnen, wie lange es dauert, bis die nächste Lieferung fällig ist beziehungsweise wieviel sie im Durchschnitt am Tag verkauft.

Ich mag das Unterwegssein. Ich fühle mich wohl auf der Straße.

Michael Kayka

Warum er seinen Job so mag?

„Ich mag das Unterwegssein. Ich fühle mich wohl auf der Straße.“ Und er mag die entspannte Arbeitsweise: „Da ich die meisten Tankstellen und auch die Tanklager rund um die Uhr anfahren kann, hält sich der Termindruck in Grenzen.“ 

Körperlich anpacken muss er an Tankstellen, an denen er die Tanks, die zum Teil weit auseinander liegen direkt befüllen muss. Er muss dann mit hohem Kraftaufwand acht bis neun Meter Schlauch ziehen, um an die Tanks ranzukommen. Oder das Fahrzeug mehrmals umsetzen. Dann kann sich der im Durchschnitt bei 45 Minuten liegende Aufenthalt beim Kunden schon mal auf eineinhalb Stunden ausweiten. 

Und der Geruch? Gehört zum Job und ist ein Faktor, mit dem man sich abfinden muss. „Man kommt ab und an damit in Kontakt“, sagt Michael. Wer da sehr empfindlich ist, kann den Beruf nicht ausüben. Michael hat seinen Traumjob gefunden. Er selbst beschreibt sich als „Lkw-Fahrer“ durch und durch und fühlt sich wohl auf der Straße mit seiner Ladung, für die er bestens geschult ist.